Zwei Begriffe, die oft verwechselt werden
„Vakuumglas“ und „Vakuumdämmung“ werden in der Alltagssprache häufig synonym verwendet – dabei handelt es sich um zwei unterschiedliche Bauprodukte für unterschiedliche Einsatzorte. Dieser Beitrag erklärt den Unterschied zwischen Vakuumisolierglas (VIG) und Vakuumdämmplatten (VIP) und ordnet zusätzlich ein drittes, grundlegend anderes Konzept ein: die Nanobeschichtung PSCoat.
Vakuumisolierglas (VIG): die Lösung für das Fenster
Vakuumisolierglas ersetzt die Glasscheibe im Fenster oder in der Fassadenverglasung. Zwei Glasscheiben werden mit einem Zwischenraum von unter einem Millimeter versehen, der auf rund 10-6 bar evakuiert wird; mikroskopische Stützpillars verhindern den Kollaps unter dem Atmosphärendruck. Ohne Gas entfallen Konduktion und Konvektion als Wärmeübertragungswege fast vollständig, nur Strahlung bleibt. Erreichbare Ug-Werte liegen laut ift Rosenheim bei bis zu 0,5 W/(m²K) als Stand der Technik, mit Zusatzmaßnahmen bis 0,4 W/(m²K) – bei einer Bauteildicke von oft nur 6 bis 9 Millimetern. (Quelle: baunetzwissen.de, vip-bau.de)
Vakuumdämmplatte (VIP): die Lösung für opake Flächen
Vakuumdämmplatten sind dagegen für lichtundurchlässige (opake) Bauteile gedacht – wand, Dach, Boden. Ihr Aufbau unterscheidet sich grundlegend von dem einer Glasscheibe: Ein offenporiger Stützkern, meist aus pyrogener Kieselsäure, wird von einer hochdichten, gasdichten Folie umhüllt, teils ergänzt um Trockenmittel oder Getter zur Aufnahme von Restgasen. Die Wärmeleitfähigkeit liegt je nach Ausführung zwischen 0,002 und 0,008 W/(mK), typisch bei 0,004 bis 0,007 W/(mK) – das ist rund zehnmal besser als bei Mineralwolle (0,035 W/(mK)) oder Polystyrol (0,032 W/(mK)). (Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Vakuumdämmplatte, va-q-tec.com)
Der entscheidende praktische Unterschied: Zuschnitt
Anders als klassische Dämmstoffe lassen sich Vakuumdämmplatten auf der Baustelle nicht zuschneiden – jede Beschädigung der Hülle zerstört das Vakuum im Inneren und damit die Dämmwirkung an dieser Stelle. Vakuumdämmplatten müssen deshalb passgenau vorgefertigt werden, und jede Durchdringung – etwa für Dübel oder Leitungen – muss bereits in der Planung berücksichtigt werden. Das unterscheidet die Anwendung grundlegend von Mineralwolle oder Polystyrol, die vor Ort flexibel angepasst werden können.
Lebensdauer und Schadensbild
Anders als ein plötzlicher Ausfall zeigt sich eine beschädigte Vakuumdämmplatte meist durch einen graduellen Verlust der Dämmwirkung, da Gas langsam durch die beschädigte Stelle eindringt. Hersteller geben in der Regel 50 Jahre Garantie bei unbeschädigter Hülle an – eine Herstellerangabe, für die keine unabhängige Langzeitstudie vorliegt.
Kosten von Vakuumdämmplatten
Die Quellenlage zu den Kosten ist uneinheitlich: Eine Quelle (maler.org) nennt reine Materialkosten von etwa 80 bis 160 Euro pro Quadratmeter je nach Dicke; andere Quellen, darunter wohnglueck.de, nennen für Gesamtkosten inklusive Einbau einen Bereich von etwa 120 bis 250 Euro pro Quadratmeter – die Angaben weichen also je nach Quelle und Betrachtungsweise voneinander ab. Bei aufwendigen Sonderanfertigungen mit komplexer Geometrie können die Kosten auf rund 1.000 Euro pro Quadratmeter und mehr steigen. Auch hier gilt: Es handelt sich um Richtwerte aus unterschiedlichen, teils widersprüchlichen Quellen, nicht um einen feststehenden Marktpreis.
Hersteller von Vakuumdämmplatten
Am Markt aktiv sind unter anderem va-Q-tec aus Würzburg und Kingspan mit dem Produkt Optim-R; porextherm (heute Teil von Morgan Advanced Materials, Produktlinie Microporous) ist als eigenständige Marke inzwischen kaum noch sichtbar. Diese Aufzählung ist herstellerneutral und ohne Wertung zu verstehen.
Gegenüberstellung
MerkmalVakuumisolierglas (VIG)Vakuumdämmplatte (VIP)
EinsatzortFenster, transparente FassadeWand, Dach, Boden (opak)
AufbauZwei Glasscheiben, evakuierter Spalt, StützpillarsStützkern (Kieselsäure), gasdichte Folienhülle
KennwertUg-Wert bis 0,5, mit Zusatzmaßnahmen bis 0,4 W/(m²K)Wärmeleitfähigkeit typisch 0,004–0,007 W/(mK)
Zuschnitt vor Ortnein, Fertigmaßnein, Maßanfertigung Pflicht
Und wo passt PSCoat ins Bild?
Anzeige: Ein Hinweis in eigener Sache vorab – PSCoat wird von der Zurynski, Oezdogan & Co GmbH vertrieben, die auch diese Seite betreibt, weshalb das Produkt hier vorgestellt wird. Mit PSCoat kommt ein drittes, physikalisch komplett anderes Konzept ins Spiel: eine dünne Nanobeschichtung statt eines Plattenelements mit Vakuumhülle oder einer evakuierten Glasscheibe. PSCoat wird auf opake Bauteile wie Fassade, Dach oder technische Anlagen aufgetragen, nach Herstellerangaben mit einer Schichtstärke von 1,5 bis 3 Millimetern – deutlich dünner als eine klassische Vakuumdämmplatte, aber physikalisch ein anderes Prinzip als deren Vakuumkern. Belastbare, unabhängig geprüfte Messwerte zur Dämmwirkung von PSCoat liegen nach aktuellem Kenntnisstand nicht vor, weshalb sich diese Einordnung auf die Funktionsweise beschränkt.
Vakuumglas beziehungsweise Vakuumdämmplatten und PSCoats Nanobeschichtung sind unterschiedliche, eigenständige Technologien – kein direktes Konkurrenzprodukt, in der Praxis oft kombinierbar: zum Beispiel Vakuumglas im Fenster oder eine Vakuumdämmplatte an einer Problemstelle, PSCoat auf der übrigen Fassade oder dem Dach desselben Gebäudes.
Wer die technischen Datenblätter zu PSCoat einsehen möchte, findet sie auf der Website des Anbieters PSCoat.
Häufige Fragen zur Abgrenzung
Kann eine Vakuumdämmplatte nachträglich gekürzt werden, wenn sie nicht passt?
Nein. Jeder Eingriff in die Hülle zerstört das Vakuum im Inneren der Platte und damit die Dämmwirkung an dieser Stelle. Vakuumdämmplatten müssen deshalb bereits mit dem exakten Maß bestellt werden, inklusive aller geplanten Durchdringungen.
Ist PSCoat eine Alternative zu Vakuumdämmplatten?
PSCoat ist ein physikalisch anderes Konzept – eine dünne Beschichtung statt eines Plattenelements mit Vakuumkern. Beide werden auf opake Bauteile aufgebracht, unterscheiden sich aber in Aufbau, Schichtstärke und Anwendungstechnik. Ob im Einzelfall eine Vakuumdämmplatte, eine Beschichtung oder eine Kombination beider sinnvoller ist, hängt vom konkreten Bauteil und der bauphysikalischen Situation ab und sollte fachlich geprüft werden.
Was passiert, wenn die Hülle einer Vakuumdämmplatte beschädigt wird?
Anders als bei einem plötzlichen Totalausfall sinkt die Dämmwirkung in diesem Fall graduell, weil Gas langsam durch die beschädigte Stelle eindringt. Eine Reparatur der Hülle vor Ort ist nicht vorgesehen; betroffene Platten müssen in der Regel ersetzt werden.
Was das für die Bauplanung bedeutet
Sowohl Vakuumisolierglas als auch Vakuumdämmplatten erfordern eine deutlich präzisere Vorabplanung als klassische Dämmstoffe oder Mehrfachverglasung. Wer diese Technologien einsetzt, sollte Maße, Durchdringungen und Anschlussdetails frühzeitig festlegen, statt wie bei klassischer Dämmung erst auf der Baustelle flexibel nachzuarbeiten. Diese Planungsanforderung gilt unabhängig davon, ob im konkreten Fall VIG, VIP oder eine Kombination mit einem Beschichtungssystem wie PSCoat zum Einsatz kommt.
Fazit
Vakuumisolierglas, Vakuumdämmplatten und Beschichtungssysteme wie PSCoat lösen unterschiedliche Aufgaben an unterschiedlichen Bauteilen und sind keine direkten Konkurrenten. In der Praxis lassen sie sich sogar kombinieren – zum Beispiel Vakuumisolierglas im Fenster, eine Vakuumdämmplatte an einer thermischen Problemstelle und PSCoat auf der übrigen Fassade oder dem Dach desselben Gebäudes.
Quellen dieses Beitrags
Folgende Punkte dieses Beitrags sind Herstellerangaben, stammen aus nur einer Quelle oder wurden aus anderen Gruenden nicht unabhaengig verifiziert:
Kostenangaben zu VIG (glaserei.or.at) und zu VIP (maler.org, wohnglueck.de u. a.) stammen aus einzelnen bzw. untereinander abweichenden Quellen.
50 Jahre Garantie bei VIP ist Herstellerangabe ohne unabhängige Langzeitstudie.
Die technischen Angaben zu PSCoat im Anzeigenblock stammen vom Anbieter, der zugleich Betreiberin dieser Seite ist, und sind nicht unabhängig geprüft.